Die Angebotskalkulation ist der Schlüssel zu profitablen Bauaufträgen. Welchen Weg Sie gehen, entscheidet auch die Bausoftware, die zu Ihnen passt. Mit sieben Schlüsselfunktionen treffen Sie eine Vorentscheidung. Dann gilt es einige mit einigen Angeboten zu testen. Zuerst dürfen Sie sich im Klaren werden, was Sie unter “Kalkulationssoftware” verstehen.
Peter Rösch für UnternehmerBrief Bauwirtschaft UBB 49 (2026) Heft 4
Um welche Prozesse geht es in der “Kalkulationssoftware”?
Legen Sie für sich fest, welche Prozesse Sie mit Ihrer “Kalkulationssoftware” abgedeckt haben wollen. Tatsächlich werden darunter im allgemeinen Sprachgebrauch oft eine ganze Reihe von Prozessergebnissen verstanden:
- Leistungsverzeichnis
- Angebot mit Preisen
- Angebotskalkulation auf Basis Herstellkosten
- Preisanfrage für Material
- Preisanfrage für Nachunternehmerleistungen
- Arbeitskalkulation
- Bauablauf- und Bauablaufplan
- Mengenermittlung für Angebot, Arbeitskalkulation und Abrechnung
- Fakturierung als Baurechnung
Denken Sie daran, dass alle Begriffe und Funktionen bei den Softwareanbietern unterschiedlich verwendet werden. Unterlegen Sie Ihre Definition immer mit einfachen Beispielen und Mustern. Dann halten Sie fest, welche Prozessergebnisse Sie regelmäßig erwarten. Kümmern Sie sich dabei nur um Punkte, die Sie tatsächlich auch machen werden. Wenn Sie immer die gleichen Leistungen für private Kunden anbieten, hat jede Position nur ein oder zwei Preisbestandteile und das ist dann ausreichend.
Die Schlüsselfunktionen in der Baukalkulation
Mit den Schlüsselfunktionen legen Sie die Messlatte für Ihre zukünftige Kalkulationssoftware. Das macht eine Auswahl übersichtlich und sicher.
- Arbeiten mehrere Personen gleichzeitig in einem Angebot?
- Setzen Sie Positionen aus mehreren Teilleistungen zusammen?
- Verwenden Sie in den Teilleistungen (Positionen) Mengenansätze für Artikel und Geräte?
- Verlagern Sie Zuschläge auf ausgewählte Positionen, damit Einheitspreise und Angebotssumme sich ändern?
- Berechnen Sie die Zuschläge mit der Kalkulation über die Angebotsendsumme?
- Brauchen Sie spezielle Formblätter (Bahn AG) oder Normen (GAEB, ÖNORM, SIA)
- Arbeiten Sie regelmäßig mit anderen Bauunternehmen in einer BieGe und ArGe zusammen?
Stellen Sie die Antworten zu diesen Schlüsselfunktionen als Übersicht zusammen und beschreiben Sie konkrete Beispiele oder zeigen Muster.
Funktionen, die den Unterschied ausmachen können
Wenn Sie die erste Vorauswahl getroffen haben, geht es bei den erforderlichen Funktionen eine Runde weiter – mit “Details”. Für alle gilt:
- Beispiel aufschreiben
- Ein oder zwei Muster und Beispiele hinzufügen
- Testen oder vom Softwareanbieter live zeigen lassen

Leistungsverzeichnis
Wenn Sie Leistungsverzeichnisse zur Bearbeitung bekommen, stellen Sie alle Dateiformate zusammen, die “eintrudeln” und das müssen nicht nur uralte GAEB-Formate sein, sondern das kann auch Excel oder ein seltenes Format sein.
Wenn Sie Leistungsverzeichnisse selbst erstellen, schauen Sie nach einer komfortablen Funktion zur Übernahme von Positionen oder ganzen Titeln aus Stammdaten oder noch besser auf das automatische Erstellen des Leistungsverzeichnisses aus einem BIM-Modell. Das gibt es übrigens für den Hochbau, den Tiefbau und den Infrastrukturbau. Achtung: Oft wird heute über KI gesprochen, das kann bei der LV-Erstellung unterstützen, die fachlich feinen Unterschiede können dabei auf der Strecke bleiben.
| Angebot mit Preisen |
| Können Einheitspreise einfach erfasst werden und auch nach Hauptbestandteilen (Lohn, Material) aufgeteilt werden? |
| Angebotskalkulation auf Basis Herstellkosten |
| Können Teilleistungen in Ebenen gegliedert und mit unterschiedlichen internen Mengen versehen werden? |
| Können Variable auf Ebene einer Position und/oder dem ganzen LV zur automatischen Berechnung genutzt werden? Beispiel: Wichte des Asphalts, Wandstärke in Ortbetonpositionen mit Schalung |
| Werden in der Urkalkulation die angesetzten Aufwandswerte automatisch angepasst, wenn ein Einheitspreis manuell “geändert” wird? |
| Können Sie Preisgleitklauseln anbieten? |
| Kalkulation über die Angebotsendsumme |
| Können Sie beliebige Positionen zu einem Umlage-LV erklären, das dann zur Ermittlung der Zuschläge herangezogen wird? |
| Können Sie Preisbestandteile von einer Position auf andere verteilen? Beispiel: Wasserhaltung auf die Kanalrohre |
| Können Sie eine Ausgleichsberechnung nach VOB “+/- 10Prozent” erstellen? |
| Können mit Ansätzen kalkulierte Positionen von Partnern einer BieGe zusammengespielt werden? |
| Preisanfrage für Material oder Nachunternehmerleistungen |
| Können Preisanfragen aus dem Materialbedarf (Artikel) erfolgen und Positionstexte des LV beigefügt werden? |
| Kann in Nachunternehmeranfragen eine Position in mehreren Gewerkeanfragen enthalten sein? |
| Kann der Preisspiegel aus Angeboten auf Basis Excel und GAEB automatisch eingelesen werden und werden Fehl- oder Zusatzpositionen angezeigt und ausgewertet? |
| Arbeitskalkulation |
| Können Sie eine oder mehrere Versionen einer Arbeitskalkulation mit geänderter voraussichtlicher Ausführungsmenge, Einkaufspreisen, Ansatzmengen, Artikeln und NU-Leistung an Stelle Eigenleistung erstellen? |
| Können Sie eine Leistungsmeldung nach Leistungsmengen zum Stichtag und daraus ermittelnden Mengen der Soll-Herstellkosten (Menge und Verrechnungspreis) nach Artikel, Ressourcengruppe und Gewerk ausgeben? |
| Bauablauf- und Bauablaufplan |
| Können Sie einen Bauablaufplan mit Ressourcen gruppiert nach Bauabschnitten (Bauteil, Orte) aus der Mengenermittlung erstellen? |
| Mengenermittlung |
| Kann eine Zeile einer Mengenermittlung unterschiedlich und/oder einheitlich in Angebot, Arbeitskalkulation und Abrechnung verwendet werden? |
| Fakturierung |
| Können Rechnungen nach Pauschalen oder Zahlungsplan erstellt werden? |
| Können kumulierte und nicht kumulierte Abschlagsrechnungen (Bahn) mit Anzahlungskette und gestellten Abschlagsrechnungen erstellt werden? |
| Brauchen Sie Ausgangsrechnungen mit Aufteilung nach verschiedenen Kostenträgern (Gemeinde, Landkreis, Energieversorgung)? |
| Können Sie Preisgleitklauseln, Jahresverträge oder "Hausmeisterverträge" abbrechen? |
| Können Sie nativ, ohne zwischengeschalteten Provider, E-Rechnungen im Format ZUGFeRD und XRechnung ausgeben? |
Was macht eine moderne Software aus?
Wenn Sie heute nach einer neuen Software suchen, achten Sie auf die Eigenschaften:
- Browserbasierte Masken, damit die Software auch überall mobil und stationär genutzt werden kann.
- Verfügbarkeit als SaaS (Software-as-a-Service), auch Cloud-Software genannt.
- Eine wirklich ansprechende Oberfläche, die Menschen sollen sich wohl damit fühlen. Weniger ist da meistens mehr.
Was macht den Anbieter aus?
Fühlen Sie sich vom Anbieter auf Augenhöhe angesprochen? Sind die Leute, die Sie beraten und informieren, im Baufach kompetent? Erhalten Sie tatsächlich intensive Unterstützung bei der Einrichtung der Software und der Schulung?
Nicht zuletzt gilt es die Zukunftschancen der Anbieter einzuordnen. Ist die Softwarefamilie auf einem aktuellen Stand verfügbar? Wie sieht die Weiterentwicklung und damit die Marktchance des Anbieters aus? Fragen Sie dazu auch andere Baufirmen und die Bauverbände.
Weitere Hinweise für die Softwareauswahl und -einführung finden Sie hier: Bausoftware sicher auswählen und konsequent einführen












